28
Mrz
2008
Globalisierung an deutschen Hochschulen
von Holger
â die Vor- und Nachteile internationaler StudienabschlĂŒsse aus der Sicht des FH-Lehrbeauftragten Thomas Glaser in der Hochschulpraxis
Nach der breiten EinfĂŒhrung der Bachelor- und Masterstruktur in Deutschlands Hochschullandschaft haben wir Herrn Dipl.-Ing. Architekt Thomas Glaser, Lehrbeauftragter fĂŒr Baubetrieb an der FH Frankfurt, gefragt, wie er die Erreichbarkeit der durch die Umstellung der StudiengĂ€nge angepeilten Ziele bewertet.
Ziel 1: kĂŒrzere Studienzeiten
KĂŒrzere Studienzeiten sind klar erreichbar, meint Herr Glaser. Dazu tragen maĂgeblich die weitere Verschulung des Studiums, die klassenĂ€hnlichen Strukturen und die deutlich intensivere Betreuung durch die Lehrenden bei. Inhaltlich sieht Herr Glaser keine Abstriche. Es wird zwar an manchen Stellen im Detail nicht so vertieft, aber durch die Zusammenfassung einst unabhĂ€ngig nebeneinander vermittelter Lehrinhalte zu lehrstuhlĂŒbergreifenden Modulen wird ein besserer GesamtĂŒberblick vermittelt und praxisorientierter ausgebildet. Herr Glaser ist der Auffassung, dass den Studenten im Rahmen des Bachelorstudiengangs mehr abverlangt wird - sie haben mehr Wochenstunden und mehr Lehrveranstaltungen.
Da die ZulassungshĂŒrde fĂŒr den vertiefenden Masterstudiengang durch die feststehende Quote hoch liegt, besteht fĂŒr die Bachelorstudenten ein hoher Leistungsdruck. Als FH-Lehrbeauftragter hat Herr Glaser den Eindruck, dass die Studenten im Bachelorstudiengang zielgerichteter ausgebildet werden als es bei den Diplomanden der Fall ist. Neben dem Hinweis daraus, dass FH-StudiengĂ€nge schon immer praxisorientierter ausgerichtet waren, gibt er zu bedenken, dass er keine Aussagen ĂŒber die Auswirkungen der Umstellung auf Bachelor/Master an UniversitĂ€ten machen kann.
Ziel 2: weniger Abbrecher
Die derzeitige Unsicherheit, wie der Bachelorabschluss von den potentiellen Arbeitgebern anerkannt wird, oder ob doch erst der Masterabschluss den Zugang zu höher qualifizierten und besser dotierten Jobs verschafft, treibt die Studenten an, mit gut bewerteten Leistungen die Zulassungsvorrausetzungen zum weiterfĂŒhrenden Masterstudiengang zu erfĂŒllen. Auch die Lehrenden sind einem ungewohnten Erfolgsdruck und einer gegenseitigen Beobachtung im Rahmen der Modulzusammenlegung ausgesetzt, was zumindest in den derzeitigen âPilotsemesternâ zu einer intensiveren Vorbereitung der Lehrinhalte und einem sehr hohen Betreuungsgrad der Studenten fĂŒhrt. WĂ€hrend sich Diplomstudenten ihr Studium selbst organisieren und die benötigten Lehrveranstaltungen selbst zusammenstellen mussten, durchlaufen Bachelorstudenten die Hochschule im schulklassenĂ€hnlichen Verband nach StundenplĂ€nen.
Ziel 3: bessere ArbeitsmarktfÀhigkeit
Da es bisher noch wenig bis keine Bachelor- und Masterabsolventen am Arbeitsmarkt gibt, kann dazu nur spekuliert werden. Heute besteht aus der Sicht von Herrn Glaser noch das Vorurteil, dass Bachelorabsolventen eine Schmalspurausbildung erhalten haben. Wenn diese Voreingenommenheit mittel- bis langfristig abgebaut ist, ist der Bachelor seiner EinschĂ€tzung nach eine gute Grundlage fĂŒr den Berufseinstieg. AuĂerdem muss man wissen, dass pro Jahrgang nur ca. 30% der Bachelorabsolventen zum Master zugelassen werden, weshalb der Leistungsdruck und das daraus resultierende Engagement enorm hoch sind. Trotzdem erwartet Herr Glaser, dass tendenziell das Einstiegsgehaltsniveau von Bachelorabsolventen unter das der bisherigen Diplomanden absinken wird.
Ziel 4: internationale Vergleichbarkeit
Die StudiengĂ€nge sind neu in inhaltlich aufeinander abgestimmte Module gegliedert worden, und die Lehrinhalte daraufhin umgestaltet worden. Die Modulstruktur soll die hochschulĂŒbergreifende aber auch die internationale Vergleichbarkeit von Studienleistungen sicherstellen, erklĂ€rt Thomas Glaser. Inwieweit dadurch tatsĂ€chlich ein Hochschulwechsel vereinfacht wird, ist derzeit noch nicht beurteilbar. Mit dem fĂŒr die internationale Anerkennung eingefĂŒhrten Leistungspunktesystem, dem European Credit Transfer System, kurz ETCS, wird Herr Glaser demnĂ€chst erste Erfahrungen sammeln. Er schlieĂt zur Zeit sein erstes Bachelorsemester ab und die Bewertung der Leistungsnachweise in Gestalt von Hausarbeiten steht noch aus. Der Aufbau des 6-semestrigen Architekturstudiengangs aus Modulen, die in Studienschwerpunkte zusammenfassenden Units eingeordnet sind, bietet gute Chancen dem formulierten Anspruch der Vergleichbarkeit gerecht zu werden. Wie konsequent die Modulabstimmung stattfindet und an den jeweiligen Hochschulen umgesetzt wird, ist fĂŒr Herrn Glaser als Lehrbeauftragter nicht beurteilbar. Der Vor- und Nachbereitungsaufwand ist jedenfalls fĂŒr ihn in âseinemâ Fach âVOB/AVAâ im Modul âKonstruieren 5â, das fĂŒr das 5. Semester angeboten wird, deutlich gestiegen. Hat er frĂŒher die Aufgaben fĂŒr alle gleich formuliert und in Gestalt von Klausuren oder FachgesprĂ€chen abgeprĂŒft, sind dagegen heute Gruppenhausarbeiten mit individuellen Vertiefungen auszuarbeiten, die mangels Ergebnisvergleichbarkeit aufwĂ€ndig nachgeprĂŒft und bewertet werden mĂŒssen.
Ziel 5: erhöhte MobilitÀt der Studierenden wÀhrend des Studiums
Herr Glaser geht davon aus, dass durch die bereits dargestellte Modularisierung bei konsequenter Umsetzung an den Hochschulen, ein Hochschulwechsel vereinfacht wird. Trotzdem erwartet er eher eine geringere MobilitĂ€t durch die stĂ€rkere Einbindung der Studierenden in schulklassenĂ€hnliche VerbĂ€nde. Und die beliebte Frage âwo haben Sie studiertâ wird wohl bei Bacherlorabsolventen kaum mehr den Ausschlag bei VorstellungsgesprĂ€chen geben. Warum sollte also ein Student wechseln wollen? Einen anderen Anlass könnte natĂŒrlich das Aufbaustudium mit Masterabschluss liefern, bei dem bereits die Wahl der thematischen Vertiefung einen Hochschulwechsel erzwingen kann.
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