Archiv der Kategorie ‘Panorama‘

Ort des Monats - Moltke Mensa in Karlsruhe

von Karin

Für die Karlsruher ist der Mensa-Neubau (Fertigstellung 2007) schon kalter Kaffee. Ich habe das Gebäude erst jetzt in einer Zeitschrift gesehen und habe mich im www auf dem Weg gemacht, Infos dazu zu finden. Der Newsletter der Stadtmarketing GmbH von Karlsruhe schließlich hat mir ein paar Hintergrundinfos beschert.

Fotos zu diesem, wie ich finde, sehr gelungenen Bau, gibt es auch reichlich im Netz. Die Bildsuche über Google ist hier ganz erfolgreich. Einfach Moltke Mensa Karlsruhe eingeben und Ihr könnt sehen, wie es dem Architekten Jürgen Mayer H. mit diesem Bau gelungen ist, einen Übergang zwischen städtischer Bebauung im Süden zum Hardtwald im Norden zu schaffen. “Die Auflösung des Baukörpers in stammartige Strukturen zeigte die formale Verwandtschaft des Neubaus mit dem benachbarten Baumbestand.” So steht es im Text der Karlsruhe Stadtmarketing GmbH.

Was besticht ist die Unterstreichung der außen umgesetzten Designsprache im Inneren des Gebäudes. Statt langweiliger Raumaufteilung strukturieren auch innen Säulen, Stützen und Schrägen den Raum. So entsteht ein außergewöhnliches Ambiente.

Bambus gegen Einsturzgefahr - erdbebensichereres Bauen durch einfache Mittel

von Karin

Die Katastrophe in Haiti erschüttert weltweit. Dass Erdbeben in bitterarmen Ländern so zerstörerisch sind, liegt auch daran, dass grundlegende Regeln der Gebäudekonstruktion missachtet werden.

Spiegel Online hat einen Artikel veröffentlicht, der Mittel beschreibt, mit denen die Stabilität der Gebäude bei Erdbeben erhöht werden können.  In dem Artikel heißt es: „Die Grundregeln erdbebensicheren Bauens lauten: runde Häuser, Schwerpunkt nach unten - und alles miteinander verzahnen. Denn symmetrische Bauten, deren Hauptlast nahe des Bodens liegt, geraten weniger schnell aus der Balance.“

Die Verzahnung kann beispielsweise durch ein Bambuskorsett als preisgünstige Lösung gewährleistet werden, damit die Mauersteine im Fall von Erschütterungen zusammenhalten. Die Elastizität von Bambus entschärft die Wirkung des Bebens. Auch andere Baumaterialien wie Hanf, Jute, Draht oder Flachs kommen für solche Stützkonstruktionen in Frage.

Weiter heißt es: „Die simpelste Stabilisierungsmaßnahme sind jedoch schmale Stützmauern, die mit der Hauswand verzahnt werden“ …und im Erdreich verankert werden. Das Dach, das den Menschen im Erdbebenfall besonders gefährlich werden kann, sollte auf eigene Stützen gestellt werden, die im Boden verankert sind.

Warum solche scheinbar einfachen Grundregeln nicht umgesetzt werden liegt einfach daran, dass erdbebengerechtes Bauen nur ein Problem von vielen in den armen Ländern ist. Überhaupt ein Dach übern Kopf zu haben, ist für viele Menschen dort schon ein Riesenfortschritt.

Ich finde es ist noch zu erwähnen, dass bei vielen Erdbeben die Häuser traditionellen Baustils häufig stehen bleiben, wohin gegen moderne Bauten den Erschütterungen oft nicht standhalten.

Wer sich mehr für erdbebensicheres Bauen mit einfachen Mitteln interessiert, findet auf der Seite der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) eine Publikation von Gernot Minke aus dem Jahr 2001 dazu: „Construction manual for earthquake-resistant houses built of earth“.

Architekten bekennen Farbe

von Karin

Es ist vielleicht ein bis zwei Wochen her, da habe ich einen wirklich schönen Beitrag bei Arte TV- CHIC gesehen über die neue Farbigkeit von Gebäuden, innen wie außen. Leider finde ich den Beitrag nicht als podcast, um einfach zu verlinken, aber es gab zumindest Buchtipps (alle auf französisch), die ich noch schnell aufgeschrieben habe:

Accords Chromatiques, histoires parisiennes des architectures en couleurs 1200-2010, Simon Texier, éd. Pavillon de l’Arsenal (2008), ISBN : 978-2-35487-002-7

Brenac et Gonzalez : Concordance des temps, Sophie Trelcat, Paul Jones, Verlag Archibooks, ISBN-10: 2357330147, ISBN-13: 978-2357330146

La couleur dans la ville, Larissa Noury, Verlag Le Moniteur (2008), ISBN-10: 2281193098, ISBN-13: 978-2281193091

Nachdem ich das podcast nicht auftreiben konnte, habe ich die Idee erstmal fallen gelassen, hier darüber zu schreiben. Doch dann lese ich erst kürzlich auf SPIEGEL-Online über “Fassaden im Farbenrausch“. Da dachte ich ok, dann schreib ich doch darüber. Der Beitrag auf Arte ging über ganz aktuelle Projekte in Paris, der Artikel auf SPIEGEL-Online über ein Wohnbauprojekt in den 20er Jahren in Berlin.

Kommen alte Trends einfach wieder? Haben die Leute einfach Lust auf bunt? Das Thema Farbe am/im Gebäude könnte man sicher gut als architekturhistorisches behandeln, oder eben als Trendsetter besetzen. Es macht auf jeden Fall Spaß Gebäudegestaltungen in bunt anzusehen.

In dem Arte TV Beitrag wurde mehrere Projekte von französischen Architekten vorgestellt. Ich habe deren Webauftritte gefunden, über die schreibe ich im nächsten Beitrag.

La fetta die Polenta (Polentascheibe) - architektonische Kuriosität in Turin

von Holger

In Turin steht ein Haus, das auf einem 5×27 Meter großem Grundstück eher schmal ausfällt. Beim Bau des Hauses wurde über 5 Stockwerke jeder Millimeter der verfügbaren Fläche genutzt. Das Gebäude ist mit einer so winzigen Wendeltreppe ausgestattet, dass das Hinauftragen von Möbeln nicht möglich ist. Aus diesem Grund wurde eine Seilrolle im letzten Stockwerk montiert. Eigentlich heißt das Gebäude ‘Casa Scaccabarozzi’, aber die Turiner nennen es ‘La Fetta di Polenta’ - die ‘Polentaschnitte’. Der Neobarockbau aus dem 19. Jahrhundert ist in Turin wohlbekannt, stand aber noch bis vor einem Jahr leer. Doch dann kam ein Galerist auf die Idee, den ungewöhnlichen Palazzo zu restaurieren und zeitgenössische Kunst darin auszustellen.

Auf Youtube könnt Ihr Videos zu dem Gebäude finden.

Form follows Energy - klimagerechte Architektur- 12./13.11.09 in Erfurt

von Kai

Wie passen Klimaschutz und Baukultur zusammen? Wie sollen Städte und Häuser im Zeitalter der Energiewende aussehen? Diesen und anderen Fragen widmet sich der Kongress Bauhaus.SOLAR, der am 12. und 13. November in Erfurt stattfindet. Diese Fragen stehen auf jeden Fall auf der Startseite von www.bauhaus-solar.de.

Auf der Tagung werden Beispiele gebäudeintegrierter Photovoltaik aus Deutschland, Großbritannien, Italien und der Schweiz präsentiert. Es ist nicht nur die klimagerechte Architektur im Neubaubereich, sondern auch  die Optimierungsmöglichkeiten bei Bestandsimmobilien Thema.

Begleitend findet eine Fachausstellung zu neuen Baumaterialien und Technologien statt.

Dieser Kongress wird wissenschaftlich von der Uni Weimar begleitet, d.h. es wird keine Werbeveranstaltung von Solarelementherstellern sein. Das gesamte Tagungsprogramm findet Ihr unter der oben genannten www-Adresse. Hört sich total interessant an.
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Eine Reise einmal um die Welt - immer entlang des 8. Längengrades

von Karin

Wer die Semesterferien nutzen möchte, um Horizonte zu weiten, der sollte Bremerhaven einplanen. Dort hat vor Kurzem das Klimahaus eröffnet. Es bietet interessante Ausstellungsinhalte, eine futuristische Architektur und ein ausgeglügeltes Energiekonzept.

Das Klimahaus vermittelt zu den unterschiedlichen Klimazonen der Erde fundiertes Wissen zum besseren Verständnis des hochaktuellen Themenkomplexes Klima und Klimawandel. 5000 qm reichen, um auf Weltreise zu gehen. Immer entlang des 8. Längengrades Ost, auf dem auch Bremerhaven liegt, geht es durch die Schweiz, Sardinien, Niger, Kamerun, König-Maud-Land (Antarktis), Samoa, Alaska und Hallig Langenneß wieder zurück an die Weser.

Die Architektur ist außergewöhnlich und hat sich zum Ziel gesetzt, Energie zu sparen. Entworfen wurde Sie von Klumpp Architekten Stadtplaner, die bereits für das ebenfalls durch seine gerundeten Formen auffällige Wissenschaftsmuseum “Universum” in Bremen verantwortlich zeichnen. Gemeinsam mit TranssolarEnergietechnik GmbH suchten die Beteiligten nach Wegen, das Klimahaus optimal zu beheizen, zu lüften und zu kühlen und so den Energieverbrauch und damit den CO2-Ausstoß möglichst gering zu halten.  Durch die Nutzung der natürlichen Kühlpotentiale am Standort Bremerhaven, über freie Lüftung, Kühltürme, Nachtluftspülung, sowie den Einsatz oberflächennaher Geothermie konnte der Extern-Energiebedarf extrem gesenkt werden. Mehr dazu kann man im Pressetext zum Energiekonzept entnehmen. Wer mehr über die Ausstellungsinhalte wissen möchte, klickt einfach hier.

Architektur für Demenzkranke- Besser eintönig

von Kai

Viele, vor allem ältere Menschen leiden an Alzheimer, viele davon leben im Heim. Mit gefälliger Architektur versuchen viele Heimträger, Abwechslung in das Leben der Bewohner zu bringen - und stiften damit Verwirrung.

Derzeit weit verbreitet in Altenheimen ist die Schaffung von Atrien als Kernbereich, um den herum die Wohn- und Pflegebereiche gruppiert werden. Diese „kreative Architektur“ erfreut das Auge, lockert die Seele auf und hält das Gehirn fit.

Die Doktorarbeit der Architektin Gesine Marquardt von der TU Dresden zum Thema optimale Architektur für Altenheime zeigt jedoch, dass das falsch gedacht ist. Demenzkranke brauchen vor allem klare, übersichtliche und einfache Strukturen. Demente kommen mit dem klassischen Mittelgangprinzip am besten zurecht. Besonders alzheimergerecht sind Gänge, von denen links und rechts alle Räume weggehen. Schon eine Veränderung der Laufrichtung, etwa durch L-förmige Gänge, verwirrt die Patienten. Neben einer klaren Architektur benötigen die Patienten auch bekanntes Mobiliar. Besonders wohl fühlen sich Senioren generell mit Möbeln aus der eigenen Twen-Zeit. Back to the 30ties lautet also das Credo

Gesine Marquardt hat für Ihre Doktorarbeit den Deutschen Studienpreis 2008 erhalten. Näheres unter http://www.koerber-stiftung.de/nc/wissenschaft/deutscher-studienpreis.html?sword_list%5B0%5D=deutscher&sword_list%5B1%5D=studienpreis

DAS BAUHAUS KOMMT aus Weimar!

von Karin

Anlässlich des 90-jährigen Gründungsjubiläums des Staatlichen Bauhauses Weimar veranstaltet die Klassik Stiftung Weimar im Jahr 2009 eine große Übersichtsschau zu den frühen Jahren der legendären Gestaltungsschule. Im April 1919 von seinem ersten Direktor Walter Gropius in Weimar gegründet. Die Ausstellung DAS BAUHAUS KOMMT AUS WEIMAR wird an fünf verschiedenen Stationen in Weimar bekannte und unbekanntere Facetten des frühen Bauhauses ausführlich vorstellen, darunter als ein Höhepunkt die Arbeiten aus den Werkstätten der Schule. In ihnen wurde nach expressiven Anfängen der Übergang zum Design vollzogen. Meisterwerke freier Kunst von berühmten Bauhaus-Meistern wie Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Johannes Itten, Paul Klee, László Moholy-Nagy oder Oskar Schlemmer werden ebenso zu sehen sein wie auch maßstabsetzende und innovative Bühnenprojekte und Experimente, die im Zusammenhang mit der Bühnenwerkstatt des Bauhauses entwickelt wurden

Die Ausstellung läuft von heute, 01.04.09, bis 05.07.09 in Weimar. Es gibt dazu ein sehr interessantes Rahmenprogramm. Z.B. gibt es mehrere „Lange-Bauhaus-Nächte“, es gibt Bauhaus-bags, mit denen man auf den Weg durch die Stadt macht, es gibt sonntags immer eine offene Werkstatt, Lesungen und Vorträge sowieso, Musikdarbietungen usw.

Also fahrt dorthin. Ihr habt ab jetzt 95 Tage und 3 Stunden Zeit. Solange läuft die Ausstellung noch.

Gebäude-Datenbank im Triple W

von Karin

Ich bin zufällig über eine Gebäude-Datenbank gestolpert, die Daten und Fotos von berühmten (und durchgeknallten) Gebäuden aus aller Welt beinhaltet. Jemand, der sich für Architektur interessiert kann unter http://www.emporis.com/ge/ mal vorbeischauen. Man kann zum Beispiel nach “Commerzbank” in “Frankfurt” suchen und sich dann Infos zu Sir Foster’s witzigem 300 m Hochhausturm angucken.

Der Architekt - seit Kurzem auf der Leinwand

von Tanja

Gestern bin ich durch die Stadt gefahren und habe an einem Kino Werbung für den Film “Der Architekt” gesehen. Ich dachte, super, das muss ich gleich weitersagen, aber…

… wer nun denkt, er könne seinen zukünftigen Berufsstand mal im Kino verarbeitet, sehen, täuscht sich.

Einzig die Hauptfigur ist erfolgreicher Architekt, was vielleicht Symbolfunktion hat, aber eigentlich geht es eigentlich um was ganz anderes - ein Familiendrama:

Der erfolgreiche Hamburger Architekt Georg Winter fährt mit seiner Frau und seinen beiden erwachsenen Kindern zur Beerdigung seiner Mutter in das verschneite Heimatdorf in den Bergen. Auf der Trauerfeier erscheint die geheimnisvolle Hannah mit ihrem Sohn. Sie bringt die Wahrheit ans Licht, die die Familie in einen Strudel von Sehnsüchten und Verwirrungen stürzt. Als das Dorf durch eine Schneelawine von der Außenwelt abgeschnitten wird, kann niemand mehr entkommen…